DATE: 1dec15 GMT:1940 POS: 18º41.6’N, 32º07.8’W COG: 245 SOG:6.5kts

GENERAL SYNOPSIS: ON BOARD THE TRES HOMBRES

WIND DIR:east

WIND SPD:20kts

CURRENT DIR:west

CLOUDS:cirrus & cumulus 4/8

SEA STATE:moderate

SEA TEMP:24ºC

AIR TEMP:26ºC

AIR PRES:1019hPa

Web log:

Wellentänze – Rolf Dräther

Nachtwache. Heute wird fuer mich ein besonderer Tag. Vor genau zwei Monaten, am 29. September, bin ich in Hamburg zu dieser Reise aufgebrochen. Vielleicht habe ich deshalb den Apfelkuchen gebacken, der nun in der Galley duftet.

Seit knapp einer Woche sind wir schon wieder auf See und entfernen uns mit jedem Augenblick weiter von “unserer” Seite des Atlantiks. Derzeit eher langsam, denn der Wind schwaechelt gerade etwas. Dabei hatte es so gut angefangen. Nach einer Woche La Palma waren wir alle reif fuer die naechste Etappe und auch unser Schiff hielt es nicht laenger im Hafen. Wenn es nach ihr gegangen waere, haetten wir sicher schon drei Tage frueher aufbrechen koennen, denn mindestens so lange taenzelte sie unruhig neben der Pier hin und her und ruckte an den Festmacherleinen. Endlich ging es los. Mit einer Geschwindigkeiit von zeitweise 10 Knoten (das sind 18,54 km/h!) und Wind von achtern rauschten wir auf den Atlantik hinaus, die letzte kanarische Insel verschwand hinter uns im Dunst.

Und dann begann die Tres zu tanzen. Jeder Welle, die von hinten heranrollte, warf sie sich hemmungslos in die Arme. Wie beim Rheinlaender, den ich einmal in der Tanzstunde gelernt habe: Links und Links – und Rechts und Rechts – und Angucken, Angucken – Wechseln. Immer wieder hebt sie erst elegant ihren Hintern, dass die Welle unter ihr hindurchlaufen kann, dann wiegt sie sich in den Hueften, die Masten und die Segel schaukeln dabei leicht hin und her, und am Ende wirft sie noch einmal den Kopf in den Nacken und schon naht der naechste Tanzpartner. Und manchmal, wenn ihr die Welle wohl ganz besonders gefaellt, dann geht ihr Temperament mit ihr durch und sie wiegt wild die Hueften, rollt, so dass die Masten weit ausschlagen, das Wasser ueber das Deck schiesst und alle Toepfe in der Galley scheppern. In solchen Augenblicken bleibt uns nichts als uns gut festzuhalten und einen Moment innezuhalten bei dem, was wir gerade tun. Und wir goennen ihr den Spass, denn sie ist ein gutes Schiff. Haeufig steckt sie uns auch an mit ihrer Froehlichkeit und dann tanzt die ganze Wache ausgelassen auf dem Achterschiff. :o)

Die Tres Hombres ist eine Schonerbrigg, was erst einmal nicht mehr bedeutet, als dass sie zwei Masten besitzt und der hintere ebenso hoch oder hoeher als der vordere ist. Und dass sie ihr Hauptsegel am hinteren Mast fuehrt. Ein beeindruckend grosses Gaffelsegel. Dazu kommen ein Gaffeltopsegel, vier Vorsegel (vor dem ersten Mast) und drei Stagsegel (zwischen den beiden Masten). Den entscheidenden Vorteil bringen uns jedoch die vier Rahsegel am vorderen Mast. Das sind Tuecher, die vorallem vor dem Wind sehr gut funktionieren und uns mit beeindruckender Geschwindigkeit antreiben. Unser Motor fuer die Trade-Winds sozusagen. Insgesamt bedeutet das, dass die Tres im Gegensatz zu mancher Yacht fuer jeden Wind (ausser fuer keinen) ueber die passende Gaderobe verfuegt und so macht sie jederzeit eine gute Figur. Hinzu kommt ein Rumpf, der im Schlepptank entwickelt und optimiert wurde, was sie auch noch zu einer aeusserst flotten Lady macht.

Und so tanzen Schiff und Mannschaft miteinander weiter in Richtung Westen, mit Sonne und blauem Himmel am Tag und einem hellen Silbermond, der bei Nacht glitzernd den Weg leuchtet. Wir lassen Fado und Flamenco hinter uns und reisen in Richtung Raggae-Land.
Und aller vier Stunden heisst es wieder “Get up, stand up! Stand up for your watch!” :o)

 

 

picture: © Rolf Dräther – Fairtransport

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