Wenn schon die Erde keine ist, das Meer ist eine, nämlich eine Scheibe in deren Zentrum überraschender Weise ich mich befinde. Diesen Eindruck habe ich an Bord stehend und ringsum blickend gewonnen.
In nur wenigen Meilen Entfernung vom Schiff begrenzt der Horizont diese vermeintliche Scheibe, und obwohl die Crew ständig bemüht ist gute Fahrt zu machen, scheint dieser Horizont, das Ende dieser Scheibe, doch unerreichbar.
Sie begleitet mich wie ein treuer Gefährte und diese von mir betrachtete Scheibe hat Homer in seiner Odyssee offensichtlich gemeint, wenn er „vom Rücken des Meeres, dem von Fischen bewohnten“ schreibt. Wir „schlagen das graue Salz nicht mit dem Ruder“, auch keiner Schiffsschraube bedienen wir uns, sondern machen uns den Wind zu Nutze, der die zahlreich gesetzten Segel füllt, um uns auf dieser Scheibe, dem Meer, permanent vorwärts zu bewegen.
Und wenn ich abends an Deck sitze, da leckt das Meer mir, seine warmen Zunge durch das Speigatt streckend, die Füße und scheint damit sagen zu wollen: „hab keine Angst, ich bin bei dir, ich trage dich behutsam über den Ozean, den wogenden, denn ich bin der Ursprung allen Lebens.
Aber hüte dich von den anderen Elementen, steuere dein Schiff nicht gegen die felsigen Klippen der Erde, lass Vorsicht walten beim Umgang mit dem Feuer, dass nicht in Brand gerät dein Schiff, das hölzerne, und halte dich nach Möglichkeit fern von den Stürmen des eifersüchtigen Windes. Der Wind zürnt mich, da ich der Ursprung allen Lebens bin und er nichts Vergleichbares geschaffen. Einzig vernichten kann er das von mir geschaffene Leben. Und so tobt er oftmals über mich hinweg, hohe, Schiffe zermalmende Wellen aufwerfend, was schon vielen SeefahrerInnen zum Verhängnis wurde.“
Ich bewege mich wie trunken schwankend auf dem besegelten Holz, welches selbst schwankend und nach allen Seiten sich neigend auf dem vom Winde bewegten Wasser sein Ziel sucht. Tag um Tag, Nacht um Nacht diese von Sonne oder Mond beschienene Scheibe betrachtend, nichts anderes war seit Wochen zu sehen, habe ich Vertrauen gefasst in das bewegte und bewegende Wasser, in das schwankende Holz des Schiffes, das trotz ständiger Bewegung und vermeintlicher Instabilität, in Wahrheit Stabilität und Sicherheit ausstrahlt. Und Vertrauen gefasst in die emsig tätige Mannschaft, welche, zum Unterschied zu Odysseus und seinen Gefährten, die Fahrt zu keiner Irrfahrt, sondern zu einer sicheren Überquerung des Meeres werden lässt.
Von dieser Reise werde ich mir eine Scheibe abschneiden!

Trainee Franz Mascher

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