Rolf Dräther, Den Helder, 07.10.2015

Klar zum Auslaufen

Da liegt sie nun an der Kade, klar um Auszulaufen. Alle Segel angeschlagen, alle Planken wieder dicht, die Ladung sicher verstaut und genűgend Vorräte an Bord, dass unser Koch uns mit lecker Essen von innen warm halten kann. Essen und Trinken hält ja bekanntlich Leib und Seele zusammen.

Das war nicht immer so. Als ich vor nun sieben Tagen hier ankam und sie das erste Mal sah, hätte ich sie fast nicht erkannt. Die Tres Hombres, die ich von Bildern kannte und mit der ich meine transatlantische Reise machen wollte, sah definitiv anders aus. Das konnte sie nicht sein. Zwei Masten reckten sich wie kahle Tannenbäume vom letzten Weihnachten in den Himmel, das Deck war an verschiedenen Stellen offen, alles andere verschwunden unter Haufen von Material, Werkzeug und Dreck. Und dieses gefűhlte Chaos setze sich auf der Kade fort. Und all das wimmelte wie ein Ameisenhaufen von Menschen, die schraubten, hämmerten, sägten, hobelten, bohrten, Dinge an Bord schleppten und wieder zurűck und wieder an Bord und wieder  zurűck und …

Und űber all dem schwebte ein wahrhaft babylonisches Sprachengewirr. Faszinierend und beängstigend zugleich.

Doch da war Sabine Fox, die mich die ganze Zeit per Email mit Informationen versorgt hatte und jetzt half, dass mir der Einstieg in diesen Wirbel von zielgerichteter Energie gelang. Mit einem Tee, Platz für mein Gepäck und nicht zuletzt, indem sie mich irgendwann an der richtigen Stelle einschleuste. :o)

Im Laufe der Tage lichtete sich das Chaos. An den Masten erschienen Segel. Taue wurden eingeschoren. Die Planken kehrten an ihren Platz zurück. Rost entfernt. Anstrich erneuert. Matratzen und Kissen in die Kojen. Wasser in die Tanks. Lebensmittel in die Schaps…

Und irgendwann war dann auch das Schiff wieder da, das ich von den Fotos kannte. Und dem ich nun auch vertraue. Dank all der helfenden Hände, die von morgens bis abends geschuftet haben, dass alles rechtzeitig fertig wird und wir nun in See gehen können.

Eine andere Erfahrung habe ich vertiefen  können: Man lernt Menschen am besten und schnellsten kennen, wenn man mit ihnen gemeinsam etwas anpackt. Auch dazu waren diese letzten Tage gut. Sich kennenzulernen und über die Arbeit zusammenzuwachsen, ehe es hinaus geht. Für mich auch dazu, um mit all den Akzenten, die das Englisch an Bord färben, vertraut zu werden. Denn da haben wir: Niederländisch, Französisch, Deutsch, Schweizerdeutsch, Tschechisch, Slovakisch und … ich hoffe, ich habe niemand vergessen. Eine herrlich bunte internationale Crew.

Jetzt ist es Zeit, loszulassen und den Rhythmus an Land einzutauschen gegen ein Schema, das der Alltag auf See uns auferlegt. Und wo am Ende Zeit nicht viel mehr bedeutet, als ein Kreuz auf der Seekarte.

Ich freue mich drauf.

 

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