DATE: 10nov15 GMT: 1900 POS: 36º45′ N,12º16,5′ W COG:205º  SOG:4kts

GENERAL SYNOPSIS: ON BOARD THE TRES HOMBRES

WIND DIR:west

WIND SPD:5kts

CURRENT DIR:south

CLOUDS:little cumulus and cirrus

SEA STATE:calm

SEA TEMP:19ºC

AIR TEMP:22ºC

AIR PRES:1026hPa

Bordalltag – Rolf Dräther

Flaute. Wir driften bei spaetsommerlichen Temperaturen auf einer langen Duenung unter einem strahlend blauen Himmel. Nach Sueden, nach Sueden. Und jede Meile bringt uns unserem naechsten Reiseziel naeher. La Palma.

Bleibt die Frage, was machen die da eigentlich den ganzen Tag auf so einem Frachtsegler ohne Motor?  Einfach gesagt: Wache gehen, essen und schlafen. Dann noch abwaschen, einmal am Tag das Deck scheuern (ja, genau!) und die Bilge leerpumpen.

Ja und wie geht das mit der Wache? Alles gar nicht so kompliziert. Die Mannschaft wird in zwei Gruppen (Steuerbord- und Backbord-Wache) und die 24 Stunden des Tages werden in zwei mal sechs Stunden bei Licht und drei mal vier Stunden bei Nacht aufgeteilt. Damit hat man ein Schema, dass sich aller 48 Stunden wiederholt.
Das heisst zum Beispiel fuer die Steuerbord-Wache: Dienst von 20:00-24:00 Uhr, dann wieder von 04:00-08:00 Uhr, anschliessend von 14:00-20:00 Uhr. Und weiter 00:00-04:00 Uhr und 08:00-14:00 Uhr. Dann geht es wieder von vorne los. Und jeder darf mal ab 04:00 Uhr an Deck stehen. Rund um die Wachuebergaben morgens, mittags und abends wird gegessen. Bei schoenem Wetter sitzt die ganze Crew zusammen an Deck, ansonsten essen die Wachen nacheinander in der Galley. Dort koennen 5-6 Leute gemuetlich im Trockenen um den Fockmast sitzen, selbst wenn es draussen stuermt und regnet und die See mit weissen Brauen ueber die Reling schaut. Und hat man sich an diesen Rhythmus gewoehnt, dann koennte es ewig so weitergehen, denn die Geschichten, die wir uns waehrend der Nachtwachen erzaehlen, sind spannend und die See ist jeden Tag neu und anders.

Tja, bei rauhem Wetter passiert wirklich nicht viel mehr als das: Wache – essen – schlafen. Da ist man froh, aus den nassen Sachen raus und in die warme Koje rein zu kommen. Und dann ausruhen fuer die kommenden Stunden an Deck.
Ist das Wetter ruhiger und vielleicht sogar so sonnig wie heute (T-Shirt-Wetter! :o) ), dann stehen Wartungsarbeiten auf dem Plan. Dann wird Rost geklopft, gestrichen, gespleisst, eine Badeleiter gebaut, Segel und Persennige werden repariert, im Rigg geoelt, Bloecke abgeschliffen und wieder in Leinoel gesetzt usw. usf. Dabei kann man eine ganze Menge ueber traditionelle Seefahrt lernen. Grossartig! Oder es wird einfach mal Waesche gewaschen, gelesen, musiziert, …
Manchmal besuchen uns Delphine oder ein Wal schnauft neben dem Schiff  und begleitet uns ein Stueck des Weges – und dann sind wir vor Freude und Dankbarkeit ueber diese wundervolle Begegnung so aus dem Haeuschen, dass wir fast unser Essen vergessen.
Solche Tage sind auch dazu gut, den Akku aufzuladen, um die naechsten grauen und nassen Wachen (die sicher immer mal wieder kommen), gut zu ueberstehen.

Aber, so schoen es ist, einfach nur mal so gewiegt und geschaukelt zu werden, sehnen sich doch alle an Bord nach guenstigem Wind, der uns nach La Palma bringt. Schliesslich sind wir ein Frachtsegler. Und unsere Fracht wird erwartet, oder?

 

 

picture: © jdr-Fairtransport

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