Schon am Morgen nach meiner Rückkehr aus Lissabon an Bord machen wir das Schiff klar für die Weiterreise. Der Morgen vergeht wie im Flug, und kaum habe ich meine Aufgaben erledigt und meine persönlichen Sachen wieder seefest verstaut, kommt auch schon der Schlepper, der uns aus dem Hafen bringt.

Europa liegt nun hinter uns. Es geht nach Süden, Richtung Kanarische Inseln und in wärmere Gefilde. Mit uns ist die Hoffnung, dass wir das schlechte Wetter der letzten Wochen nun endlich hinter uns lassen können und endlich die Tage des schönen Segelns unter der südlichen Sonne anfangen.

Aber Segeln ist nicht romantisch. Zumindest nicht in unserem Fall. Was der Wetterbericht schon angekündigt hat, trifft auch ein. Ein Tief zieht auf. Es ist das zehnte Tief mit Windstärke sieben oder mehr auf unserer Reise. Der Wind nimmt noch zu, bevor es Abend wird.

Am nächsten Morgen haben wir 20 Stunden Wache und nur vier Stunden Schlaf hinter uns. Ich fühle mich, als wäre ich 90 Jahre alt, oder schon mindestens eine Woche auf See. Das Ergebnis ist das gleiche. Nur der Blick auf den Kartenplotter und den Kompass bringen Trost. Wir fahren 225 Grad, nach Süden, in direkter Linie Richtung La Palma. Und wir sind schnell unterwegs. Der Wind kommt von Achtern, was das Schiff in ungewohnte Rollbewegungen versetzt, aber die sind alle Mal besser als das Stampfen des Rumpfs am Wind.

Der Wind bleibt kräftig. Das Wetter bleibt schlecht. Es ist grau und die meiste Zeit regnet es. Nur selten ist die Sonne am Himmel zu sehen, aber wenn sie rauskommt, spüren wir ihre Kraft. Kleidung trocknet und das Wasser, dass die Wellen uns immer wieder entgegen schleudern, ist warm.

Nach vier Tagen auf See nimmt der Wind langsam ab, weht aber immer noch aus der richtigen Richtung. Es ist eine herrliche Überfahrt. Es geht voran. Und gegen Ende der Etappe wird sogar das Wetter gut. Nach acht Wochen endlich der erste Tag im T-Shirt an Deck. Wir arbeiten am Schiff und saugen förmlich alle Sonnenstrahlen, die wir finden können, in uns auf. Land in Sicht. Am Horizont hebt sich, im Dunst kaum zu erkennen, die Silhouette von La Palma ab.

Noch einmal einen Tag später steuern wir den Hafen von Santa Cruz an. Regenwolken hängen an der steilen Küste der kanarischen Insel, aber hinter uns scheint die Sonne. La Palma begrüßt uns mit einem Regenbogen wie aus dem Bilderbuch. Segeln kann ja doch romantisch sein.

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