La Palma

Angekommen. Nach 19 Tagen auf See zwischen Douarnenez in der Bretagne und Santa Cruz de La Palma auf den Kanaren. 19 Tage ohne Dusche. 19 Tage beständiger Wechsel zwischen Wache, essen und schlafen. 19 Tage lang immer dieselben Gesichter. Aber auch 19 Tage voller interessanter Gespräche und anregender und teils leidenschaftlicher Diskussionen während der Nachtwachen. 19 Tage irgendwo zwischen Himmel und Meer, denn mit etwas Dunst verschwamm auch die letzte Grenze am Horizont. 19 Tage, an denen man das Meer Tag und Nacht um sich hat, denn zwischen meinem trockenen Bett und der Wasserweite draußen sind nur 70mm Eichenholz.

Und 19 Tage voller Ambivalenz. Denn wenn ich noch müde für die nächsten Stunden Wache aus dem Bett steige, hin und wieder die Frage: Warum nur mache ich das? Und dann wieder das Staunen über einen samtschwarzen Nachthimmel voller Sterne über einem dunkel tosenden Meer. Die Freude über den unverstellten Blick bis zum Horizont. Das Glück, wenn Delphine oder ein Wal uns ein Stück begleiten. Überhaupt – dieses Meer, das sich in jedem Augenblick neu erfindet. Es hat so viele Gesichter: Mal klopfen kecke kleine Wellen an den Rumpf, dann rollen wieder Brecher auf Augenhöhe heran und tauchen erst im letzten Moment unter dem Schiff hindurch, das dazu elegant seinen Achtersteven hebt. Mal ist das Meer verspielt wie ein junger Hund, dann wieder sanft wie eine Katze. Es braust auf – oder ist glatt wie ein Spiegel und trügerisch friedlich. Wie soll man darüber nicht ins Staunen geraten? Am Ende war ich mir gar nicht so sicher, ob ich diese meine kleine Wasserwelt gegen den Lärm und die Hektik an Land eintauschen will.

Nun liegt die Tres Hombres nach einem gelungenen Anlegemanöver (alles unter Segeln, das ist Seemannschaft!) im Hafen. Vor uns eins dieser schwimmenden Hotels, hinter uns ein Schiff der Spanischen Armada. Dazwischen wirkt unser Schiff wie eine Nussschale. Kaum zu glauben. Ich genieße bei sommerlichen Temperaturen die Stadt – von Kreuzfahrern überlaufene Einkaufsstraßen, kleine verwunschene Gässchen, in denen ich oft ganz allein bin, Tapas, Kanarischen Rotwein – denn wie sagte schon Michiels Großmutter: Kein schöneres Leben als ein gutes Leben. :o)

Heute war ich im Museo Naval und habe dort erfahren, dass die Kanaren und La Palma aufgrund ihrer günstigen Lage schon seit Columbus’ Zeiten eine wichtige Rolle im Handel und der Schifffahrt zwischen Europa und Amerika spielen. So wie wir hier einen Zwischenstopp einlegen, reparieren, neue Kräfte sammeln und uns für die nächste Etappe mit frischem Proviant versorgen, haben das schon Generationen von Seefahrern vor uns getan. Seit nunmehr einem halben Jahrtausend. Eine lange Tradition, in die wir uns da einreihen. Ja – und über Columbus gibt es das Gerücht, dass er auf den Kanaren eine Geliebte gehabt haben soll, weshalb er jedes Mal die Schiffe von Lateiner- auf Rah-Takelung hat umriggen lassen – nur um genug Zeit für Liebeleien zu haben. Wer’s glaubt … ;o)

Wir nehmen hier in La Palma Abschied von einigen Weggefährten und neue Trainees sind angekommen. Und unsere Ladung haben wir um 10 Fässer besten kanarischen Rums erweitert. Diese Fässer werden uns nun auf der weiteren Reise begleiten und dabei noch etwas reifen. Im Seeklima.

In ein paar Tagen geht es weiter. Wir setzen zum Sprung über den Atlantik an. Und wenn wir das nächste Mal festmachen, dann sind wir in Amerika. In der Karibik. Nur mit dem Wind und auf den gleichen Routen, die Frachtsegler schon seit mindestens 500 Jahren befahren.

Rolf

Pictures Douarnenez – La Palma

by Rolf Dratner

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Sustainable transport over sea. Tres Hombres, Nordlys, Ecoliner, Clippership, Noah, Fairtransport, Fairtrade, Logbook, shipping news.